Tierhilfe Craiova-Hilfe für rumänische Tiere e.V. 

Der Straßenhund

Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor:

Sie sind ein Hund, geboren auf der Straße, groß geworden auf der Straße, und Sie kennen sich nur mit diesen Lebensbedingungen aus! Was sind das für Lebensbedingungen ?

 

Tagsüber laufen Sie dort herum, wo Sie Futter finden können, in der Nähe von Restaurants, Lebensmittelgeschäften, Mülltonnen, dort, wo Sie wissen, dass tierliebe Menschen Kleinigkeiten deponieren für Streuner. Sie müssen schnell am Futter sein, sonst ist es weg, Sie sollten sich nicht allzu lange an einem Ort aufhalten, sonst vertreiben Sie nicht tierliebe Menschen mit Fußtritten und Steinwürfen ( und das sind noch die harmlosen Varianten ! ). Überqueren Sie die Straße, finden es einige Menschen spaßig, Sie „umzunieten“ - „wieder ein Köter weniger....“. Nach einem mit äußerster Vorsicht verbrachtem Tag suchen Sie sich als Streuner ein Plätzchen für die Nacht, wo der Wind nicht ganz so pfeift und eventuell kein Regen hinkommt. Aber Sie schlafen dort nicht ruhig und entspannt, denn Sie kennen die Gefahr, die Ihnen durch nächtliche Übergriffe drohen! Als Streuner sind Sie vielleicht schon ein oder zwei Jahre alt geworden, aber einen tiefen, erholsamen Schlaf haben Sie nie erfahren. Eine regelmäßige Versorgung mit Wasser und Futter auch nicht. Was wissen Sie, was die seltsam riechenden Menschen mit den Kitteln (in der Tierklinik) mit Ihnen vorhaben, die Sie auf einen kalten Tischstellen, festhalten, und an Ihnen herumtasten. Alles macht Ihnen Angst! Wirklich alles! Das Bekannte, das Unbekannte aber noch mehr!

 

Irgendwann hat ein Mensch Sie eingesammelt, Sie sind auf einer Pflegestelle gelandet oder in einem Tierheim.

Die Pflegestelle hatte vorher schon viele Gäste wie Sie: müde, hoffnungslose Kreaturen, die erst mal eins brauchen: Ruhe ! Denn anders kommt man aus dem Kreislauf, der in dem kleinen Hundekopf das Überleben bestimmt hat, nicht heraus.

Das Tierheim (Shelter) ist begrenzt, man kann nicht einfach weglaufen, wie man es immer getan hat.

Viele unbekannte Hunde müssen erstmal kennen gelernt werden.

Der Mensch, der täglich kommt, sie füttert und zum laufen raus lässt, erscheint nach einiger Zeit unbedrohlich und sie entscheiden ihm zu vertrauen, vielleicht das erste Mal in ihrem Leben, lernen sie eine streichelnde Hand kennen.

 

Und eines Tages ändert sich der Alltag auch wieder: Sie treten die Reise in Ihr erstes richtiges Zuhause an, wo Sie Liebe und Geborgenheit erfahren werden und nie mehr hungern müssen, aber das wissen Sie zu dem Zeitpunkt ja noch nicht.

 

Der Transport: Dann ist der Tag gekommen, wo sie als Hund aus der Wohnung oder dem Tierheim geführt werden, an der Leine oder in einer Box, wieder weg von dem Platz, in dem Sie sich gerade eingelebt hatten, und dem freundlichen Menschen, der Sie bisher fütterte und Sie jetzt in einen Transporter sperrt, in dem bereits viele andere Tiere, Hunde und Katzen auch in Boxen untergebracht sind. Einige Hunde jaulen, Katzen miauen, denn sie haben Angst, Sie haben auch Angst, denn auch Sie wissen nicht, was passiert, wo geht es hingeht, ob Sie was Gutes oder Böses erwartet.

 

Zwischendurch hält der Transporter an, Sie bekommen Wasser und was zu essen und die Boxen werden sauber gemacht. Inzwischen haben Sie sich an das Rütteln zwar gewöhnt aber es ist alles immer noch aufregend und Sie kommen nicht zur Ruhe.

 

Irgendwann geht auch für Sie die Laderaumtür auf, jemand kommt an die Box, öffnet diese, ganz benommen kommen Sie auf die Beine. Sie werden von Menschen begrüßt, die sich freuen und lachen und Sie streicheln. Sie kennen diese Menschen nicht, haben (noch) kein Vertrauen. Wer ist das? Hoffentlich tun die mir nicht weh. Vielleicht nimmt einer Sie an die Leine, damit Sie Gassi gehen aber das will vor Aufregung nicht gelingen.

 

 Breasta Shelter

 

Man hebt Sie in ein Auto hinein, in dem es vielleicht nach fremden Hunden riecht, nach fremden Menschen auf jeden Fall – und sie kennen überhaupt nur wenige Menschen, die je freundlich zu ihnen waren! Auch diese Fahrt endet irgendwann. Jetzt kommen Sie in das neue Zuhause!

  

Da passiert Ihnen das erste Malheur: eine Pfütze, die einfach aus Ihnen raus musste, vor Angst und Stress. Vielleicht sind da viele Menschen, die Sie ansehen, die Leckerchen anbieten, Sie streicheln wollen, aber Sie sind müde, verzweifelt durch die dauernden Veränderungen und Sie können als Hund doch nur das Geschehene verarbeiten, wenn sie behütet und ruhig schlafen dürfen! Sie bekommen vielleicht einen neuen Namen, alle rufen durcheinander, kleine Kinder greifen nach ihnen (im Heimatland haben Kinder Sie getreten, bespuckt, mit Steinen und Stöcken beworfen, aber da konnten Sie auf der Straße immer schnell noch weglaufen), aber Sie können nicht weg und die Vielzahl der neuen Eindrücke, die Gerüche, die Geräusche, die vielen unbekannten Dinge um Sie herum überfordern Sie als Hund und machen Ihnen Angst! Sie brauchen dringend Ruhe und Zeit das neue Leben zu verstehen, Vertrauen zu fassen. Geduldige Menschen, die ihnen zeigen das sie in der Wohnung und bei ihren Menschen sicher sind. 

 

Wenn Sie sich bis jetzt in den Auslands-Hund hineinversetzt haben, verstehen Sie seine Überreizung, Überforderung, Verzweiflung und Angst sicher sehr gut. Helfen Sie Ihren neuen Familienmitglied! Falls Ihr Streuner bereits einen Namen hatte, benutzen sie den Namen zumindest in der ersten Zeit. Straßentiere sind Namenlose und der Name, mit dem Ihr Hund zum Essen gerufen wurde, ist meist für den Hund mit positiven Gefühlen verbunden. Er wird weniger Angst vor fremden Menschen haben, wenn zunächst der "alte" Name benutzt wird, es ist etwas Vertrautes!

 

  • Geben Sie dem Hund Zeit und Ruhe, damit er sich erholen kann. Es kommt vor, dass das Tier vor Stress zunächst nichts essen, trinken oder aufstehen möchte und sich auch nicht löst. Das ist erstmal nicht besorgniserregend, warten Sie ab und animieren Sie das Tier wenigstens zu trinken.
  • Stören Sie es nie im Schlaf!
  • Geben Sie ihm einen Schlafplatz in einem ruhigen Raum oder in einer ruhigen Ecke, so dass er aus sicherer Entfernung das Familienleben beobachten kann (Hunde sind großartige Beobachter!).
  • Schreiende Kinder sollten sich anfangs in sicherer Entfernung aufhalten! Hunde hören ca. 200x besser als Menschen, und Sie wissen, wie mürbe ein kreischendes Kind Sie machen kann.
  • Rennen Sie dem Hund in der Wohnung nicht hinterher! Wenn der Hund sich erholt hat und er sich durch Beobachtung mit ihrem Familienleben vertraut gemacht hat, wird er neugierig werden und zu ihnen kommen.
  • Bitte keine Illusionen: kleine Kinder sind grobmotorisch, sie sollten die ersten Wochen nicht mit dem Hund alleine sein! Bedenken Sie: der Hund hat zur Zeit nicht die stärksten Nerven!
  • Lassen Sie Ihren Hund freundliche ruhige Hunde aus der Umgebung kennenlernen. Ein Hund braucht Hundebeziehungen wie sie Menschenbeziehungen.
  • Leinen sie den Hund erst ab, wenn er auf seinen Namen sicher hört und „Komm her“ oder „bei Fuß“ gelernt hat und gerne ausführt! Wir empfehlen den Besuch einer Hundeschule.
  • Benutzen Sie das Sicherheitsgeschirr statt nur Halsband, da sich der Hund nicht aus diesem rauswinden kann.
  • Alles Neue ist am Anfang Stress - muten sie dem Hund nicht zu viele Sinnesreize zu.  Dazu zählen alltägliche Dinge wie der Staubsauger, Telefon klingeln, Fernseher, Zweiräder die nah heran kommen, viele Menschen an einem Ort (Innenstadt), Polizei Sirene, stark befahrene Straßen usw. Der neue Bewohner muss erst lernen das diese Geräusche und Eindrücke keine Gefahr bedeuten.  
  • Sollte der Hund weggelaufen sein: nicht hinterher rennen! Dabei ist er „Beute“ und Sie sind der Jäger. Besser stehen bleiben, in die Hocke gehen, Leckerli in der Hand und ruhig sprechen und rufen. Die meisten Tiere laufen nach einiger Zeit zu dem Ort zurück, wo sie den letzten Blickkontakt mit dem Besitzer hatten.
  • Lassen sie im Dunklen den Hund nicht von der Leine. Im Dunklen will der Hund nur eins: sich in Sicherheit bringen – oder in das, was er dafür hält!

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